Exkursion zur Flötenbauerin

Wir, die drei Flöten aus der Flötenklasse von Frau Immertreu, sind nach München in die Werkstatt der Flötenbauerin Sophie Sibille gefahren.
 

Bisher kannten wir die Flöte nur vom Spielen und wissen, wie wir sie stimmen können.
Eine Flöte hat ein Kopfstück mit Mundstück, ein Mittelteil mit Klappen und einen Fuß mit wenigen Klappen.
Der Fuß ist üblicherweise ein C-Fuß mit 2 Klappen, so dass der tiefste Ton ein C ist, oder ein H-Fuß mit 3 Klappen für eine noch tiefere Ansprache.
 

Gleich nach dem kurzen Kennenlernen begannen wir, unter Aufsicht von Frau Sibille, die Mechanik unserer Flöte abzubauen.
Jede hatte einen eigenen Arbeitsplatz und Werkzeug dafür.
 

Die ersten zwei Schrauben waren schon aufregend. Immerhin ist die Flöte unser verlängerter Arm, wir wissen damit umzugehen und sind zusammengewachsen.
Was, wenn etwas kaputt geht, oder falsch zusammengebaut wird? Oder wir die Klappen verwechseln?
Wenn nun was schief geht oder irreparabel ist?

Oder wenn ein Teil verloren geht! Nicht niesen!
 
Beim Fußstück haben wir untersucht und gelernt, wie die Klappen von Schrauben und Federn fixiert und bewegt werden, wie sie schließen und wie man die Ansprache anpassen kann.
Nach dem Zerlegen haben wir die Einzelteile, vor allem das Fußstück gereinigt und poliert. Dafür wird ein spezielles, schonendes Putzmittel verwendet, das als Paste sparsam auf Stoff getupft wird. Frau Sibille führte dabei vor, wie man das Flötenrohr und die Tonlochkamine sauber bekommt. Die Tonlochkamine sind normalerweise nicht zu sehen, weil sie von den Klappen verdeckt werden. Mit dem Stofftuch durften wir selbst Hand anlegen, bis alles poliert war.
Den letzten Reinigungsschritt erfolgt durch Abwischen mit einem in Alkohol getauchten Tuch.
Nach der Kontrolle durch unsere Meisterin konnten wir die Mechanik wieder zusammensetzen.
Welche Feder gehört wo hin? Ist das die richtige Schraube? Festhalten, sonst klappt es nicht.
Auch hier half und kontrollierte Frau Sibille unser Tun.
 

Nach dem Flötenfuß wiederholten wir den Prozess für den Mittelteil. Da dort noch mehr Klappen befestigt sind, war es schwieriger, die Zusammenhänge von Klappen, Schrauben und Federn zu erkennen. Generell ist die Reihenfolge sowohl bei Abnehmen als auch beim Zusammensetzen entscheidend. Da sollte man ein System befolgen, wie man die Einzelteile ablegt, natürlich erst von oben nach unten und beim Zusammenbauen in der Gegenrichtung.
Aber durch unsere Erfahrung beim Fußteil ging uns die Arbeit leichter von der Hand, aber der Respekt war geblieben.

Bei den einzelnen Schritten zeigte sich, dass nicht alles so leicht blieb, wie es anfing. Einige Schrauben waren verrostet oder verkrustet, so dass man sie nur schwer drehen konnte. Manches Gewinde war schon zu locker oder hat sich beim Auseinanderdrehen leicht verformt. Damit war dann der Zusammenbau ohne fachmännische Hilfe oder Ersatzteilen nicht mehr möglich.

Die Schrauben waren ja manchmal weniger als 2 mm groß. Die Muttern entsprechend noch kleiner.
Manche Federn waren so stark, dass man sie fast nicht einspannen konnte. An manchen Stellen fehlte Filz oder Kork, es war entweder dem häufige Üben zum Opfer gefallen, oder ist beim Zerlegen irreparabel abgegangen. Aber in jedem Fall wusste Frau Sibille Rat.
Aber gerade bei der filigranen Mechanik überlegt man schon kurz, ob man nicht doch besser eine Tuba oder ein Bass-saxophon warten möchte.
 

Der letzte Schritt war bei unseren Kopfstücken zu tun. Frau Sibille hat die Kopfstücke und die darin verbauten Korken kontrolliert, die ein oder andere Delle ausgeglichen oder die Rohrbreite für das Zusammenstecken angepasst.
Aber hier konnte wir nichts mehr zerlegen, nur noch polieren.
Und jetzt konnten wir unsere blitzblanken Flöten ausprobieren – und das nach 7h Arbeit.
 

Wir haben gleich mit dem reinen Klang, im wahrsten Wortsinn, ausprobiert und ein kleines Ständchen gespielt.
 

Wir haben ja Flöten aus verschiedenen Werkstätten oder Herstellern. Daher war auch der Aufbau oder Details in der Mechanik unterschiedlich.
Und es war interessant, worin sich diese drei Einzelstücke unterscheiden, seien es die Polster, die Mechanik einzelner Klappen oder auch der Stimmstock im Kopfstück.
 
Es war insgesamt ein sehr lehrreicher Tag, den jeder für sein Instrument haben sollte. Obwohl man sein Instrument kennt, kennt man es nun noch mehr.
Nach diesem Aufwand schätzen wir das Können von Flötenbauern umso höher ein.
Neben dem Wissensgewinn, und dass wir nun auch das Innenleben und die verdeckten Teile unserer Flöten kennengelernt haben, haben wir auch nebenbei noch über den Werdegang und den Beruf des Instrumentenbauers


Veröffentlicht am 19. März 2025.